006 Wer regiert Deutschland ?

Eine seltsame Begegnung auf einer Studentenparty

Gehen wir mehr als ein gutes Jahrzehnt zurück… Ich bin abends auf einer Studentenparty mit ein paar Mitstreitern. Wir haben Spaß und genießen den Abend, ohne mathematische Formeln und andere ernste Themen. Wie es nach einer gewissen Zeit so ist, kennt jeder jemanden, der wieder jemand anderen kennt etc. und so gerate ich an dem Abend unverhofft an einen jungen Herren (damals etwas älter als ich), der seines Zeichens einen nicht ganz unbekannten adligen Hintergrund hatte. Wir unterhielten uns eine ganze Zeit lang und mir fiel schnell auf, dass ihm wenig an Small Talk lag und er einige Dinge über mich zu wissen schien, die ich vorher ihm gegenüber definitiv nicht erwähnt hatte. Er musste sich also Informationen beschafft haben, was die Unterhaltung für mich mit einem Mal sehr unangenehm werden ließ. Nach ein wenig Small Talk lenkte mein Gesprächspartner die Unterhaltung schnell auf Politik und Börse, mit denen ich mich damals schon beschäftigte… Es ging hier jedoch nur oberflächig um ein Fachgespräch, sondern um knallharte Fakten. Von guter Feierlaune war schon längst nichts mehr zu merken und ich sah sehr schnell: Der Mann hat ein Anliegen, das er mir gleich mitteilen wird. Dabei kannte ich ihn bisher nur flüchtig vom Sehen.

Die Unterhaltung kommt daraufhin auch schnell zum Punkt: Der gute Mann bietet mir die Möglichkeit einer bzw. Aussicht auf eine Mitgliedschaft in einer (nennen wir es an dieser Stelle einmal bewusst verharmlosend) „Verbindung“ an. Ich hätte zwei Tage Zeit, er könne mich hineinbringen, da er eine Schlüsselfunktion im Nachwuchsbereich habe, selbst seit drei Jahren dabei sei, und um diese Zeit des Jahres gerade Platz für zwei neue Leute sei. Das sei nichts, was er einfach mal schnell „jedem“ anbiete. Er hätte sich etwas über mich umgehört…

Natürlich lachte ich ihn erst einmal aus und hielt die ganze Sache für Blödsinn. Allerdings war er sehr ernst und meine Frage, wie viel Alkohol er schon konsumiert hätte, wurde wenig humorvoll beantwortet. Zu denken gab mir in diesem Moment jedoch, dass er sich über mich informiert hatte, ohne dass ich davon etwas gemerkt hatte, und so recherchierte ich anschließend und stelle fest, dass es sich dabei definitiv nicht um einen Partyscherz handelte, sondern die Sache durchaus ernst war. Die Organisation, in die er mich bringen wollte, existierte tatsächlich und war, von dem, was ich von außen her erkennen und erfahren konnte, durchaus kein unerhebliches Netzwerk mit zahlreichen nationalen als auch internationalen Kontakten. Nach Außen hin gab man sich jedoch sehr diskret und allzu viel konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Allerdings fühlte ich mich ab diesem Moment noch weniger wohl…

Ich muss gestehen, damals dachte ich dennoch lange darüber nach, dann lehnte ich entschieden ab. Der junge Herr ließ jedoch auch in den Folgetagen nicht locker, begann sogar mehr Druck aufzubauen und wies mich mehrfach darauf hin, welche „erheblichen Möglichkeiten“ für meinen weiteren Werdegang dies bieten würde. Dabei erwähnte er explizit auch einige wesentlichen „Vorteile“, die er bereits erfahren durfte und legte indirekt auch ungefragt verschiedene Beweise dafür vor. Ich blieb jedoch bei meinem „Nein!“ und habe dies bis heute nicht bereut. Vielleicht wäre mein Leben heute ein anderes, wenn ich mich anders entschieden hätte. Aber rückblickend bin ich heilfroh, dass ich das eigentliche Problem damals (wenn auch nur völlig unbewusst) bereits erkannte. Denn dieses gibt es nicht nur in dubiosen Netzwerken, sondern ab einer gewissen Stufe auch in der Politik und in anderen Bereichen überall dort, wo zu viel konzentrierte Macht im Spiel ist. Und so geht es meistens los:

Es beginnt stets mit einem kleinen Gefallen…

Am Anfang steht dabei stets der „kleine Gefallen“, dem einen jemand erweist. In meinem Fall hätte der gute Mann mir die Möglichkeit gegeben, ein Teil der besagten Netzwerkstruktur zu werden (Ich denke, mein damaliger Charakter und mein Persönlichkeitsprofil, das bei weitem noch nicht so ausgeprägt war wie heute, ließen mich als leichte, formbare „Beute“ erscheinen, die gleichzeitig auch ein gewisses Entwicklungspotenzial für die eigenen Zwecke, die der Mann sicher verfolgte, in sich trug).

Hätte ich das Angebot angenommen, wäre ich dem Mann sofort etwas schuldig gewesen. Er hätte sich stets darauf berufen können, dass ich doch daran denken sollte, wer mir zu all diesen Vorteilen verholfen habe. Mit jedem erhaltenen Privileg wäre ich tiefer im sprichwörtlichen Treibsand versunken…

Das wiederum hätte die Möglichkeit geschaffen, mich zu nötigen, gewisse Dinge zu tun, die fragwürdig sind, und mit denen man früher oder später erpressbar wird. Voraussetzung ist dabei natürlich ein stark genuger Wille, in der Organisation bleiben zu wollen und nicht mehr auf die Privilegien zu verzichten.

Ähnlich ist es aus meiner Sicht auch in der Politik. Die wahre Macht liegt wohl selten bei Politikern, sondern bei den Steuermännern (englisch „Handler“) dahinter. Und sie speist sich exakt aus dem gleichen Mechanismus. Zunächst einmal füttert man gewisse Charaktere, die ein gewisses Persönlichkeitsprofil haben, stark genug mit Privilegien an und steigert damit ihre Abhängigkeit. Man kontrolliert indirekt von oben, wer von unten hochkommt. Durch „kleine Gefallen“ und „grünes Licht“ von oben geht es aufwärts auf der politischen Karriereleiter. Die Privilegien und der Status des Zöglings werden immer mehr und der entsprechende Mensch in der Position definiert sich zunehmend über diese und möchte auf gar keinen Fall mehr auf sie verzichten. Aber dies hat stets seinen Preis, denn die „großziehende Hand“ beginnt nun zunehmend damit, Forderungen zu stellen, welche der kompromisslosen Durchsetzung der eigenen Interessen dienen. Sie hat damit eine handelnde Figur für sich im großen politischen Schachspiel, welche sie zunehmend kontrollieren kann.

Hier ist es nun wichtig, dass der entsprechende Politiker vom menschlichen Charakter her so ist, dass er inzwischen süchtig danach geworden ist, seine Position und seine Privilegien zu halten und seine „Fallhöhe“ hoch genug ist, falls er nicht mehr mitspielen sollte. Dazu kommt, dass je länger die Laufbahn eines Politikers ist, desto mehr „schmutzige Wäsche“ hat sich durch den ein oder anderen „Gefallen“ oder die persönliche Vita sowieso schon angehäuft.

Mit der Zeit bildet sich also eine klare oder sogar mehrere „Sollbruchstellen“, mit denen ein Politiker erpressbar wird. Beweisen lässt sich dies natürlich von Außen nur sehr schwer, ist doch zu wenig über die interne Abhängigkeitsstruktur so manchen Politikers bekannt. Allerdings lässt sich das hier beschriebene strukturelle Problem auch nicht einfach als „Verschwörungstheorie“ wegwischen. Denn nicht umsonst gibt es von der Öffentlichkeit völlig abgeschirmte Treffen wie die Bilderberggruppe, diverse Roundtable-Organisationen und andere dubiose Vereine, die als Schnittstellen zwischen Politik und den wahrhaft mächtigen „Hintergrundadressen“ weltweit dienen.

Und in der Tat gibt es auch hier in Deutschland durchaus Punkte, die einen die Stirn runzeln lassen können.

Das sind natürlich nur ein paar von vielen möglichen Beispielen. Aber wenn Sie wirklich genau hinsehen, dann werden Sie beim ein oder anderen Politiker wahrhaft erstaunliches feststellen (in der Regel finden Sie derartige Details dann in der Presse, wenn jemand nicht mehr „mitspielte“ und wieder einmal eine politische Karriere ihr Ende findet).

Vor diesem Hintergrund tat mir der kleine Gesprächszirkel auf der oben beschriebenen Feier fast schon etwas leid. Denn das oben beschriebene Prinzip gilt natürlich nicht nur in der Politik. Sicher kann der ein oder andere „Alpha-Journalist“ hierzulande davon auch ein Liedlein singen, nehmen doch auch gewisse führende Journalisten regelmäßig auf Treffen wie der Bilderbergkonferenz teil…

Ich denke daher, das Spiel läuft ganz anders, als es die meisten Bürger abends von 20 Uhr bis 20.15 Uhr in den gefilterten und verwässerten „Nachrichten“ sehen.

Die wirklich wichtigen Entscheidungen treffen andere Leute, als die, die man am Bildschirm  sieht.

Nicht umsonst sagte bereits der amerikanische Musiker Frank Zappa:

Politik ist die Unterhaltungsabteilung der Wirtschaft.

Vielleicht ist das auf den unteren Rängen der Politik noch anders und dort finden sich vielleicht auch noch einige Idealisten. Wer jedoch in den etablierten Strukturen ganz nach oben will, zahlt früher oder später in unserem System den Preis oder im Extremfall, wenn er nicht mitspielt, vielleicht auch mit dem Leben. (Barschel, Möllemann ?)

Als Anleger kann ich Ihnen daher nur raten, nicht zu viel auf Politikergerede zu geben. Schauen Sie eher auf das, was Politiker tun. Dann erkennen Sie auch, wessen Interessen gerade bedient werden und wessen nicht… Und das wiederum kann wertvolle Rückschlüsse darauf liefern, wer demnächst von „staatlicher Zuwendung“ besonders profitiert und wer eher leer ausgeht.

Mit Ihrer Wahl alle 4 Jahre entscheiden Sie gar nichts. Sie können auch zu Hause bleiben.

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